Mit Teamgeist zum Erfolg:
EWB baut Bäckerei in Sri Lanka

Eines der ersten Projekte, das erfolgreich über KITcrowd finanziert wurde, ist das Projekt „Brot für eine Perspektive“ der Hochschulgruppe „Engineers Without Borders – Karlsruhe Institute of Technology e.V.“ (EWB).


Die Gruppe hatte es sich zum Ziel gesetzt, eine Bäckerei für Kriegswitwen im Norden Sri Lankas zu bauen. Damit soll der Lebensunterhalt der Frauen des Volks der Tamilen und deren Familien sichergestellt werden,  die noch immer unter den Folgen des Bürgerkriegs leiden, der sich von 1983 bis 2009 in dieser Region abspielte.


Innerhalb von zehn Monaten gelang es dem Team, 70.000 Euro an Spenden einzusammeln, einen Großteil davon über KITcrowd. Wir trafen Pascal Otterbach, Michael Kalkbrenner und Marcel Mott von EWB nach ihrer Rückkehr aus Sri Lanka zum Interview.

Wie entstand die Idee zum Projekt „Brot für eine Perspektive“?

Marcel:
Über ein Mitglied von EWB haben wir von einem Tamilen und dessen Situation in Sri Lanka erfahren. Er hat den Kontakt zum späteren Projektpartner, dem Orden „Sisters of the Holy Cross“, hergestellt. Im Frühjahr 2014 haben wir sie in Sri Lanka besucht. Zunächst bereiteten uns die politische Situation und die Sicherheit im Land Sorgen. Glücklicherweise hat sich nach der Präsidentschaftswahl im Januar 2015 der Konflikt entschärft, so dass wir die Planung konkretisieren konnten. Schnell stand die Idee, eine Bäckerei zu bauen, mit der sich die Menschen vor Ort selbst versorgen können und in der Kriegswitwen Arbeit finden.

Fast ein Jahr im Voraus habt ihr mit der Planung begonnen. Wie sah die Vorbereitung aus?

Pascal:
In Zusammenarbeit mit unserem Projektpartner haben wir zunächst geklärt, wo die Bäckerei gebaut werden soll und wie viele Menschen dort arbeiten sollen. Auf dieser Grundlage haben wir angefangen, unser Gebäude zu dimensionieren, einen Bauplan erstellt und berechnet, welche Materialien benötigt werden und welche Kosten auf uns zukommen.

Michael:
Wichtig war uns auch der Faktor Nachhaltigkeit. Deswegen haben wir ein Gebäude geplant, das in einer zweiten Bauphase aufgestockt werden kann. Weiterhin haben wir darauf geachtet, in erster Linie Materialien zu verwenden, die vor Ort bezogen werden konnten.
 
Das Projekt war komplett durch Spenden finanziert. Welche Erfahrungen habt ihr mit Crowdfunding gemacht?

Pascal:
Crowdfunding ist ein tolles Mittel, um ein solches Projekt zu finanzieren – allerdings ist mit einer Crowdfunding-Kampagne auch eine Menge Arbeit verbunden. Das KIT hat uns an der Stelle sehr gut unterstützt, sowohl was die Produktion des Imagefilms angeht als auch bei der Erstellung eines professionellen Auftritts. Über das Netzwerk von KITcrowd konnte ein großer Kreis an potenziellen Unterstützern angesprochen werden, von denen am Ende auch viele gespendet haben.
 
Ihr konntet über KITcrowd mehr als 35.000 Euro einsammeln und zahlreiche „Supporter“ aktivieren. Was hat zu eurem Erfolg beigetragen?

Marcel:
Man muss bedenken, dass KITcrowd erst seit März 2015 besteht und daher noch kein Selbstläufer ist. Wichtig für den Erfolg einer Kampagne ist eine interessante Idee, für die es lohnt zu spenden. Unsere Supporter sind größtenteils selbst Ingenieure, denen unser Pioniergeist gefällt und die unser Engagement unterstützen wollen. Darüber hinaus ist es aber auch wichtig, die Werbetrommel zu rühren und das eigene Netzwerk zu aktivieren. Von Vorteil dabei war, dass die Hochschulgruppe EWB bereits seit 10 Jahren existiert und dementsprechend bekannt ist.
 
Während einer Bauphase von 100 Tagen gab es sicher die eine oder andere Überraschung. Welche Niederschläge und welche Highlights habt ihr erlebt?

Pascal:
Am Tag unseres Abflugs hat uns die Nachricht erreicht, dass uns die Baugenehmigung aus politischen Gründen entzogen wurde. Wir mussten in kürzester Zeit eine Alternative suchen und haben glücklicherweise innerhalb weniger Tage ein neues Grundstück bekommen. Klar mussten wir unsere Planung dadurch umstellen und anpassen. Spontan auf neue Situationen reagieren und gemeinsam Lösungen entwickeln, das hat die Gemeinschaft gestärkt.

Michael:
Beeindruckend war der Zusammenhalt während des gesamten Projekts – sowohl innerhalb unseres Teams als auch zwischen uns und dem Orden. Wenn man bedenkt, wie die Randbedingungen in Sri Lanka sind und wie wenig die Menschen zum Leben haben, ist es bewundernswert, dass uns so viele Einheimische freiwillig ohne Gegenleistung unterstützt haben.

Marcel:
Für mich war ein Highlight, dass viele Teammitglieder ihre Flüge umgebucht haben, um bis zum Schluss zu bleiben. Der Teamgeist und die Begeisterung für das Projekt haben einfach alle gepackt.
 
Steht ihr weiter in Kontakt mit dem Schwesternorden?

Michael:
Das Projekt muss natürlich noch nachbetreut werden. Wir haben unsere Unterstützung zugesagt für jegliche Art von technischen Rückfragen. Sollte es wider Erwarten noch irgendwelche Probleme geben, helfen wir soweit es uns möglich ist. Schließlich sind wir auch nach unserer Rückkehr noch ein Stück weit in der Verantwortung, uns um die Bäckerei zu kümmern. Ob wir selbst noch einmal nach Sri Lanka fliegen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.
 
Welche Ratschläge habt ihr für andere Projektstarter, die KITcrowd nutzen wollen?

Pascal:
KITcrowd ist ein tolles Werkzeug, aber man muss auch wissen, wie man es einsetzt. Wichtig ist, dass die Teams selbst Verantwortung für ihre Crowdfunding-Kampagne übernehmen, ihr privates Netzwerk aktivieren und natürlich möglichst viel Werbung machen. Mit der Aufmerksamkeit, die dadurch entsteht, hilft man auch zukünftigen Projekten.

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